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Kapitalisierung


Kapitalisierung (Abfindung von lfd. Renten)

Grundsätzlich gilt: Die Abfindung künftig wiederkehrender Leistungsansprüche durch den einmaligen Betrag muss den Betrag erreichen, der sich während der voraussichtlichen Laufzeit der Rente zusammen mit den Zinserträgen für die anspruchsberechtigte Person ergeben würde.
Sorgfalt ist bei dem Zugriff auf eine der vielfach veröffentlichten Kapitalisierungstabellen walten zu lassen. Ggf. ist der so gefundene Kapitalisierungsfaktor mit dem Jahresrentenbetrag zu multiplizieren.

Fehlt eine spezielle Tabelle, hilft stets eine Zeitrententabelle, die auf die Laufzeit für eine bestimmte Anzahl von Jahren abstellt, zumindest, einen annähernden Betrag einzuschätzen.
Diese Annäherung kann unschwer auch direkt mittels der vorschüssigen Rentenbarwertformel erreicht werden. Dazu muss neben dem monatlichen Schadensrentenbetrag nur die voraussichtliche Laufzeit in Jahren bekannt sein oder zu lebenslang geschuldeten Renten über eine durchschnittliche Lebenserwartung nach der Allgemeinen Sterbetafel herangezogen werden.

Die Einschätzung des ausgleichsfähigen Betrags ist nach diesem Ansatz unerlässlich, wenn es an einer spezifischen (häufig versicherungsmathematisch ausgerichteten) Kapitalisierungstabelle fehlt.
Ohnehin kann in jedem Fall auf eine solche Weise der Abgeltungswert ermittelt werden, wenn auf realistische Geldgrößen und Laufzeiten geachtet wird. Ein Vorversterbensrisiko muss nicht zusätzlich einfließen, wenn die Schadensschätzung im Einzelfall alle künftigen Veränderungen prognostisch „sicher“ – ggf. unter Hinzunahme eines „Unwägbarkeitsabschlags“ – erfasst und die voraussichtliche maximale Laufzeit wegen der mutmaßlichen Lebenserwartung für die konkrete Situation nicht übergangen wird.

Kapitalisierung – Beispiel

Bei aufgeschobenen Renten ist zusätzlich zu diskontieren, siehe Pardey, Berechnung von Personenschäden, 4. Auflage 2010, Rn. 1414 ff. Hier finden Sie einen Vorschlag zur Berechnung des Barwerts, um einen Abfindungsbetrag für jede vorstellbare (im Einzelfall wahrscheinliche) Laufzeit, bei jedem Zinssatz und zu jedem (konkret ermittelten) Rentenbetrag ermitteln zu können.
Der Barwert ist zu diskontieren, wenn die künftige Leistung zusätzlich aufgeschoben ist. D.h. bei erst künftig beginnenden Renten, die jedoch sofort durch Zahlung ausgeglichen werden sollen, bedarf es eines zusätzlichen Rechenschrittes.

Berechnungsbeispiele zur überschlägigen Einschätzung des Ausgleichs(kapital)betrags zu einer laufenden, wiederkehrenden Leistung und ggf. wegen der Diskontierung finden Sie hier:

Kapitalisierung – Berechnungsbeispiele

Das Werk von Pardey, Berechnung von Personenschäden, 4. Auflage 2010, Rn. 1355 ff., ermöglicht es, mit diversen Berechnungshilfen, einen angemessenen Kapitalbetrag einschätzen zu können. Es hilft darüber hinaus auch, zur Anpassung eines Vergleichs Endwerte von Rentenansprüchen zu ermitteln. D.h. Geldwerte lassen sich mit Hilfe des Werks darauf überprüfen, ob die Opfergrenze für die verletzte Person überschritten ist, also die in einem Vergleich gefundene Lösung weiterhin – so wie erstrebt – ausgewogenen bleibt oder deutlich überschritten bzw. verlassen ist.